Wie ist das mit der Rente in den USA?

Wie ist das mit der Rente in den USA? 

Viele Auswanderer stehen noch mitten im Berufsleben, wenn sie sich dazu entschließen, ihre Zelte in Deutschland abzubrechen. Manchmal sind die drohende Arbeitslosigkeit, weniger gute Perspektiven auf dem deutschen Arbeitsmarkt oder eine schon seit längerem bestehende Arbeitslosigkeit sogar einer der Hauptgründe für die Auswanderung. 

Ähnlich wie in Deutschland muss der Auswanderer auch in den USA Sozialversicherungsbeträge leisten, die unter anderem in die Rentenkasse fließen. Mit Blick auf das Alter stellt sich jedoch die Frage: Wie ist das eigentlich mit der Rente in den USA?

Hier die wichtigsten Fragen und Antworten dazu in der Übersicht:

Wer ist für die gesetzliche Rente in den USA zuständig?

Die staatliche Rentenversicherung in den USA heißt offiziell Old Age, Survivors and Disability Insurance, kurz OASDI. Im alltäglichen Sprachgebrauch wird jedoch üblicherweise von der Social Security gesprochen. Die zuständige Behörde ist die Social Security Administration, kurz SSA, die ihren Sitz in Baltimore im Bundesstaat Maryland hat.

Als Sozialversicherungsbehörde vergibt die SSA übrigens auch die Sozialversicherungsnummern, die Social Security Numbers. Genauso wie in Deutschland basiert auch das US-amerikanische Rentenversicherungssystem auf dem sogenannten Umlageverfahren.

Das bedeutet, dass die Erwerbstätigen durch ihre Rentenbeiträge die aktuell ausgezahlten Renten der älteren Generationen finanzieren. Gleichzeitig erwerben sie durch die Beiträge Ansprüche auf ihre eigene, spätere Rente. Verglichen mit dem deutschen Rentensystem gibt es aber zwei große Unterschiede. Der erste Unterschied ist, dass in den USA alle Erwerbstätigen Rentenbeiträge bezahlen müssen. Die Beitragspflicht besteht also nicht nur für angestellte Arbeitnehmer und Arbeitgeber, sondern auch Selbstständige und Freiberufler müssen Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse abführen.

Der zweite Unterschied ist, dass das US-amerikanische Rentensystem nie darauf abgezielt hat, den Lebensunterhalt im Alter als alleiniges Einkommen zu sichern. Stattdessen versteht sich die amerikanische Rente schon seit jeher nur als Grundsicherung.

Um den bisherigen Lebensstandard aufrechtzuerhalten zu können, ist es in den USA deshalb in aller Regel notwendig, die Bezüge im Alter durch eine betriebliche oder eine private Altersvorsorge aufzustocken. In diese Richtung entwickelt es aber auch die Rente in Deutschland immer mehr.  

Welche gesetzlichen Rentenarten gibt es in den USA?

Ähnlich wie in Deutschland kennt auch das US-amerikanische Rentensystem verschiedene Rentenarten. Die wichtigsten davon sind

·         die Altersrente, Old Age Insurance (OAI),
·         die Erwerbsunfähigkeitsrente, Old Age Survivors Disability Insurance (OASDI) und
·         die Witwen- und Waisenrente, Old Age Survivors Insurance (OASI).

Daneben gibt es noch das Supplemental Security Income (SSI) und die Temporary Assistance for Needy Families (TANF). Das SSI ist ein Sozialhilfe-Programm, das Behinderte, Blinde und bedürftige Senioren finanziell unterstützt. Die TANF können bedürftige Familien mit minderjährigen Kindern in Anspruch nehmen. Für beide Leistungsprogramme ist ebenfalls die SSA zuständig. 

Wie hoch sind die Rentenbeiträge in den USA?

Die gesetzliche Rente ist der einzige Zweig des US-amerikanischen Sozialversicherungssystems, der bundesweit einheitlich geregelt ist. Demnach beträgt der aktuelle Beitragssatz für die Rentenversicherung 12,4 Prozent des Bruttolohns. Angestellte Arbeitnehmer teilen sich den Beitrag zur Hälfte mit dem Arbeitgeber, sie bezahlen also jeweils 6,2 Prozent.

Fällig werden die Beiträge bis zur Bemessungsgrenze, die derzeit bei einem Jahresbruttoeinkommen von rund 95.000 US-Dollar liegt. Einkommen, das die Bemessungsgrenze übersteigt, wird bei der Beitragszahlung nicht berücksichtigt. Selbstständige und Freiberufler müssen den Rentenbeitrag in voller Höhe alleine tragen. Ausgezahlt werden die Renten unbar, also per Überweisung auf ein Konto.

Dieses Konto muss sich nicht in den USA befinden, sondern kann in jedem Land geführt werden, mit dem die USA Kontakte pflegen. Die Auszahlung erfolgt zum Monatsanfang, jedoch nicht vor dem dritten Werktag eines Monats.  

Wann kann ein Arbeitnehmer in den USA in Rente gehen?

Das reguläre Renteneintrittsalter in den USA richtet sich nach dem Geburtsjahr. Personen, die nach 1960 geboren sind, können mit 67 Jahren in Rente gehen und erhalten dann auch die vollen Bezüge. Bei früheren Jahrgängen datiert sich das Renteneintrittsalter stufenweise bis auf das 65. Lebensjahr zurück. Wer möchte, kann jedoch schon mit 62 Jahren in Rente gehen.

In diesem Fall wird das Altersruhegeld mit Abschlägen gewährt, die Kürzung beträgt etwa fünf bis sechs Prozent der regulären Rente pro Jahr. Umgekehrt kann ein Senior seinen Rentenbezug aber auch bis zum 70. Lebensjahr aufschieben und erhält dann für jedes Jahr des späteren Rentenantritts einen Aufschlag in ungefähr der gleichen Höhe. Neben dem Alter muss der Senior mindestens fünf Jahre lang Beiträge in die Rentenkasse eingezahlt haben, damit er einen Rentenanspruch hat.

Das US-amerikanische Rentensystem unterscheidet grundsätzlich nicht zwischen den Geschlechtern. So ist die Altersgrenze für Männer und für Frauen identisch. Ebenso spielt es keine Rolle, welcher der Ehepartner Rentenbeiträge eingezahlt hat. Solange der Rentner lebt, erhält sein Ehepartner 50 Prozent des Grundanspruchs des Rentners als Zusatzleistung. Erbracht wird diese Leistung, sobald der Ehepartner das Rentenalter erreicht und einen entsprechenden Antrag gestellt hat.

Um die Begünstigung in Anspruch nehmen zu können, muss der Ehepartner keine eigenen Rentenansprüche erworben haben. Auch die amerikanische Staatsbürgerschaft ist keine Voraussetzung. Hat der Ehepartner aber selbst Rentenbeiträge bezahlt und folglich Anspruch auf eine eigene Rente, kann er sich entscheiden, ob er seine Rente oder die Zusatzleistung, also die Hälfte der Rente seines Partners, beziehen will. Beide Leistungen gleichzeitig können nicht in Anspruch genommen werden.

Verstirbt ein Ehepartner, erhält der Hinterbliebene 60 Prozent der Rente, die sein Partner bekommen hat. Eigene Rentenbeiträge muss der Hinterbliebene dafür nicht geleistet haben und er muss auch kein US-amerikanischer Staatsbürger sein.

Mehr Anleitungen und Tipps zum Auswandern und den USA:

Thema: Wie ist das mit der Rente in den USA?

Teilen:

One thought on “Wie ist das mit der Rente in den USA?”

Kommentar verfassen