Au-Pair in den USA – die Voraussetzungen

Au-Pair in den USA – die Voraussetzungen

Wenn es um die beliebtesten Auswanderungsziele geht, belegen die USA nach wie vor den Spitzenplatz. Der Traum vom American Way of Life bleibt jedoch oft ein Traum, denn nicht jeder hat das notwendige Quäntchen Glück und gewinnt eine Greencard oder erfüllt die doch recht strengen Anforderungen für ein Visum.

Au-Pair in den USA - die Voraussetzungen

Vor allem für junge Leute scheint dann ein Jahr als Au-Pair eine gute Alternative zu sein, um wenigstens auf Zeit in die USA auszuwandern. Doch auch hier gilt es, einige Hürden zu überwinden.

Au-Pair in den USA – die Voraussetzungen

Ein wenig im Haushalt mithelfen und die Kids betreuen, die Englischkenntnisse aufbessern, aber vor allem Land und Leute kennenlernen und dabei in das typisch-amerikanische Leben eintauchen – so stellen sich die meisten Bewerber ihre Zeit als Au-Pair vor.

Tatsächlich ist an diesen Vorstellungen einiges dran, aber bis dahin ist es ein weiter Weg.

Die USA sind in Sachen Au-Pair-Aufenthalt Traumziel Nummer 1 und dementsprechend groß ist die Nachfrage. Allein schon deshalb müssen Bewerber eine ganze Reihe an Voraussetzungen erfüllen. Die Einreise und der Aufenthalt als Au-Pair in den USA erfordern das J1-Visum.

Die Vergabe dieses Visums ist an folgende Bedingungen geknüpft:

Der Bewerber muss sich auf Englisch verständigen können. Perfekte Englischkenntnisse werden zwar nicht erwartet, gutes Schulenglisch sollte es aber mindestens sein.

-Der Bewerber braucht einen Schulabschluss, im Idealfall hat er Abitur. Aber auch eine abgeschlossene Berufsausbildung wird anerkannt.

-Der Bewerber muss zwischen 18 und 26 Jahre alt sein. Im Unterschied zu anderen Ländern, wo die Altersgrenze bei 30 Jahren liegt, darf ein Au-Pair in den USA nicht älter sein als 26. Bewerbungen sind ab dem 17. Lebensjahr möglich, der Start ins Au-Pair-Jahr kann aber erst nach dem 18. Geburtstag erfolgen.

-Der Bewerber muss ein ärztliches Attest vorlegen, aus dem hervorgeht, dass er gesund und körperlich fit ist.

-Der Bewerber muss den Background-Check erfolgreich meistern. Bei diesem Check werden zum einen grundlegende Anforderungen geprüft. Hierzu gehört, dass der Bewerber gültige Ausweispapiere und ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen muss.

Außerdem braucht er Referenzen, die seine Erfahrung als Babysitter belegen. Meist wird die Angabe von drei Referenzpersonen verlangt, bei denen es sich aber nicht um Familienmitglieder handeln darf.

Zum anderen findet ein psychometrischer Test statt. Dieser Test soll Aufschluss über die Persönlichkeit des Bewerbers geben und ermitteln, ob der Bewerber charakterlich als Au-Pair geeignet ist.

Der Bewerber sollte in einem persönlichen Interview überzeugen. Das Gespräch wird von der Agentur geführt, die den Au-Pair-Aufenthalt organisiert und betreut. Es findet auf Englisch statt und wird in einem Bericht dokumentiert, der später an interessierte Gastfamilien weitergeleitet wird.

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Au-Pair in den USA – der Ablauf

Wer als Au-Pair in die USA gehen möchte, muss ein festgelegtes Bewerbungsverfahren durchlaufen. Es macht keinen Sinn, selbst nach einer Gastfamilie zu suchen und das J1-Visum auf eigene Faust zu beantragen. Die Mühe kann sich der Bewerber sparen, denn dieser Weg wird nicht funktionieren.

Stattdessen muss der Bewerber wie folgt vorgehen:

  1. Eine oder mehrere Agenturen auswählen und die Bewerbung einreichen:

In den USA gibt es 15 Organisationen, die ein Zertifikat haben und offiziell als Vermittlungsagenturen anerkannt sind. Sie arbeiten mit Partneragenturen in verschiedenen Ländern zusammen.

Der Bewerber muss sich also nicht direkt an eine Agentur in den USA wenden, sondern kann sich bei einer der deutschen Partneragenturen bewerben.

Die Agenturen organisieren den Aufenthalt als Au-Pair und kümmern sich um die Betreuung vor Ort. Gleichzeitig entscheiden die Agenturen aber auch darüber, wer in das Au-Pair-Programm aufgenommen wird und wer nicht. Der Bewerber muss also zuerst einmal die jeweilige Agentur von sich überzeugen.

Um seine Chancen zu erhöhen, sollte sich der Bewerber deshalb ruhig bei mehreren Agenturen bewerben.

Zudem sollte er genügend Zeit einplanen, denn es kann durchaus ein paar Monate dauern, bis der Au-Pair-Aufenthalt unter Dach und Fach ist. Welche Unterlagen im Zuge der Bewerbung eingereicht werden müssen, steht auf der Internetseite der jeweiligen Agentur. Hier finden sich auch Informationen zum weiteren Ablauf und zu den Kosten.

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  1. Das Bewerbungsgespräch mit der Agentur meistern:

Hat die Agentur die Bewerbung angenommen, wird der Bewerber zum Interview eingeladen. Dieses Gespräch ist im Prinzip mit einem Vorstellungsgespräch vergleichbar.

Neben dem Kennenlernen des Bewerbers nutzt die Agentur das Gespräch auch, um zu prüfen, ob der Bewerber die Voraussetzungen für die Vergabe eines J1-Visums erfüllt. Ist das Interview gut gelaufen, nimmt die Agentur das Profil des Bewerbers in ihre Datenbank auf.

Gastfamilien in den USA, die ein Au-Pair suchen, können die Profile der Bewerber abrufen und die Agentur kontaktieren, wenn sie einen Bewerber kennenlernen möchten.

Für den Bewerber heißt das, dass er nun abwarten muss, bis sich eine interessierte Gastfamilie meldet.

  1. Kontakt mit der Gastfamilie aufnehmen:

Hat eine Gastfamilie eine Anfrage bei der Agentur gestellt, folgt ein Kennenlerngespräch. Dazu kann der Bewerber mit der Gastfamilie telefonieren. Schön ist aber auch ein Video-Telefonat, denn so sehen sich Bewerber und Gastfamilie.

Ein nettes Lächeln kann zudem viele Pluspunkte einbringen und Gesten können helfen, Sprachbarrieren zu überwinden.

Nach dem Gespräch teilt die Gastfamilie der Agentur ihre Entscheidung mit. Sagt die Gastfamilie ab, muss der Bewerber wieder warten, bis sich der nächste Interessent meldet.

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  1. Das Visum beantragen:

Möchte die Gastfamilie den Bewerber nach dem Kennenlerngespräch als Au-Pair bei sich aufnehmen und ist auch dem Bewerber die Gastfamilie sympathisch, muss das Visum beantragt werden.

Üblicherweise wird sich darum aber die Agentur kümmern, genauso wie um die weiteren Formalitäten. Ist alles organisiert, kann der Bewerber in sein Au-Pair-Jahr aufbrechen. Dabei wird er mindestens ein Jahr lang in den USA bleiben.

Mindestens deshalb, weil der Au-Pair-Aufenthalt vor Ort um bis zu zwölf weitere Monate verlängert werden kann.

Rechtlicher Rahmen: J-1, Sponsor, SEVIS & DS-2019

Au-Pairs in den USA nehmen am J-1 Exchange Visitor Program teil. Der offizielle Weg führt immer über eine zugelassene Sponsor-Organisation. Sie prüft die Eignung, stellt nach erfolgreichem Matching das Formular DS-2019 aus und meldet dich im SEVIS (Student and Exchange Visitor Information System) an.

Erst damit kannst du dein J-1-Visum im Konsulat beantragen. Ohne Sponsor gibt es kein legales Au-Pair-Programm – Punkt.

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Leistungen & Pflichten im Programmalltag

Damit beide Seiten wissen, worauf sie sich einlassen, sind Umfang und Rahmenbedingungen klar definiert:

  • Arbeitszeit & Freizeit: Wöchentliche Stundenlimits, mindestens ein freier Tag pro Woche, regelmäßige freie Wochenenden.
  • Urlaub: Ein festgelegtes Kontingent an bezahlten Urlaubstagen.
  • Room & Board: Eigenes Zimmer, Verpflegung und Versicherungsschutz (Programmversicherung) sind Bestandteil.
  • Betreuung: Ein Local Coordinator ist deine Ansprechperson vor Ort, führt Check-ins durch und hilft bei Fragen oder Konflikten.
  • Orientation/Onboarding: Viele Sponsoren bieten vor Start oder direkt nach Ankunft Trainings (Kinderbetreuung, Sicherheit, Kultur, Erste Hilfe).

Bildungspflicht: College, Credits & Kurse

Zum J-1-Programm gehört eine Bildungskomponente. Du belegst College-, Sprach- oder Weiterbildungskurse (typisch: eine definierte Zahl an Credit Hours bzw. Unterrichtsstunden). Dafür stellt die Gastfamilie einen Bildungszuschuss bereit.

Tipp: Plane die Kurswahl früh, besonders wenn du ländlich wohnst und die Wege länger sind.

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Sicherheit & Qualifikationen: CPR, Kinder unter 2 Jahren, Special Needs

Viele Gastfamilien achten auf Erste-Hilfe-/CPR-Zertifikate (Kinder-Erste-Hilfe). Für die Betreuung von Säuglingen und Kleinkindern wird häufig eine Mindestanzahl nachweisbarer Babysitting-Stunden mit Kindern unter 2 Jahren verlangt.

Du hast Erfahrung mit Special-Needs-Kindern (z. B. Autismus, ADHS, körperliche Einschränkungen)? Dokumentiere das klar – es kann ein echtes Plus sein.

Fahren in den USA: Führerschein, Versicherung & Fahrpraxis

Mobilität ist im Alltag Gold wert.

Kläre früh:

  • Internationaler Führerschein plus nationaler Führerschein; je nach Bundesstaat brauchst du später einen US-Führerschein.
  • Versicherung: Welche Autoversicherung greift, wenn du fährst? Gibt es Restriktionen (z. B. Nachtfahrten, Mitfahrer)?
  • Fahrpraxis: Referenzen oder Bescheinigungen über unfallfreies Fahren sind hilfreich. Ein Fahrtraining vor Ort reduziert Nervosität – und überzeugt die Gastfamilie.

Formalitäten nach der Ankunft: SSN, Bank & Steuern

Nach dem Start beantragst du meist eine Social Security Number (SSN). Sie erleichtert Bank­konto, Handyvertrag und ggf. Steuerformalitäten.
Stichwort Steuern:

Au-Pairs können je nach Regelung steuerpflichtig sein. Sponsor/Agentur geben dir aktuelle Hinweise (Formulare, Fristen). Bewahre Lohnbelege sorgfältig auf.

Kosten & Finanzierung: Womit du realistisch rechnen solltest

Auch wenn die Gastfamilie Unterkunft und Verpflegung übernimmt, entstehen eigene Ausgaben.

Typische Blöcke:

  • Agentur-/Programmgebühr, Visumskosten, SEVIS-Gebühr, Reisekosten (Hin-/Rückflug)
  • Impfungen/ärztliche Unterlagen, Polizeiliches Führungszeugnis, Beglaubigungen/Übersetzungen
  • Bildungskosten jenseits des Zuschusses, ÖPNV/Auto (Tanken), Freizeit
  • US-Führerschein, zusätzliche Versicherungen (sofern gewünscht)

Matching souverän meistern – inkl. Rematch-Absicherung

Das Matching ist mehr als Sympathie.

Prüfe die Passung im Alltag:

  • Kinderprofil (Alter, Anzahl, besondere Bedürfnisse)
  • Zeitplan (Morgen-/Abendroutine, Wochenenden), Hausregeln (Curfew, Gäste, Auto­nutzung)
  • Ort & Pendelwege (Vorort vs. Innenstadt), College-Optionen
  • Erwartungen an Haushaltstätigkeiten (klar abgrenzen: Kinderbetreuung vs. Putzen)

Fragen an die Gastfamilie:

  • Wie sieht eine typische Woche aus?
  • Welche Haushaltsaufgaben gehören fix dazu?
  • Gibt es Fahrregeln und wer zahlt Benzin?
  • Wie organisiert ihr Urlaub und Feiertage?
  • Welche Kurse in der Nähe eignen sich für die Bildungspflicht?
  • Was waren Herausforderungen mit früheren Au-Pairs – und was hat gut funktioniert?

Rote Flaggen:

  • Unklare oder wechselnde Arbeitszeiten, „Flexible Aufgaben“ ohne Grenzen
  • Reine Putz-/Haushaltstätigkeiten statt Kinderfokus
  • Kein eigener Raum, kein Freizeitausgleich
  • Ablehnung des Bildungsanteils oder Local-Coordinator kaum erreichbar
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Rematch: Wenn es trotz aller Sorgfalt nicht passt, gibt es einen geregelten Rematch-Prozess über den Sponsor – mit Fristen, Übergangsunterkunft und Unterstützung beim neuen Matching.

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Bewerbung scharf machen: Referenzen, Video & Sprachnachweis

  • Referenzen: Mindestens zwei bis drei belastbare Babysitting-Referenzen (keine Verwandten), Kontakt­daten bestätigen lassen.
  • Video-Profil: Kurz (1–2 Min.), freundlich, Alltagsszenen mit Kindern (mit Einverständnis!), klare Aussprache auf Englisch.
  • Sprachniveau: Gutes Schulenglisch reicht – übe Alltagsdialoge, nimm Probe-Videos auf.
  • Erste-Hilfe/CPR-Zertifikat + Führungszeugnis bereit halten – das zeigt Professionalität.

Realistische Erwartungen: Lifestyle, Kultur & Eigenverantwortung

Au-Pair ist Kulturaustausch. Es gibt Familienfrühstücke, Schulfahrten, Spielplätze – und Tage, an denen nicht alles „Instagram“ ist.

Frag dich ehrlich: Großstadt oder Vorort? Auto oder ÖPNV? Haustiere okay? Je klarer du bist, desto stabiler dein Jahr.

Mini-Checkliste (zum Abhaken vor dem Interview)

  • DS-2019/SEVIS Prozess verstanden
  • Local Coordinator in der Zielregion recherchiert
  • Arbeitszeiten/Freizeit/Urlaub konkret besprochen
  • Bildungsanteil (Kurse, Wege, Budget) geklärt
  • Autonutzung/Versicherung/Fahrregeln bestätigt
  • Rollenprofil: Kinderbetreuung vs. Haushalt sauber abgegrenzt
  • Rematch-Regeln und Notfallkontakte notiert

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Gerd Fröhlich, - Auslandskorrespondent, Gabi Naue-Rogers, - Expat in Amerika (USA) und Tobi Meissner, - Reiseblogger und Backpacker, sowie Christian Gülcan, Betreiber und Redakteur dieser Webseite, schreiben hier Wissenswertes, Tipps, Anleitungen und Ratgeber zu den USA und der Greencard.

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