Austauschschüler – gibt es für die Gastfamilie auch Nachteile?

(Als Austauschschüler) Auswandern auf Zeit – gibt es für die Gastfamilie auch Nachteile?  

Mit einem Auslandsaufenthalt als Austauschschüler werden meist zunächst einmal nur Vorteile in Verbindung gebracht. Schließlich geht ein solches Auswandern auf Zeit mit einem Austausch von Kulturen einher, beide Seiten können voneinander lernen, wertvolle Erfahrungen sammeln, Sprachbarrieren überwinden und möglicherweise sogar Freundschaften fürs Leben schließen.

Für die Gastfamilie kann es zudem eine spannende und erfüllende Aufgabe sein, ihr Gastkind bei seinen ersten Schritten in der Fremde und gleichzeitig zumindest ein Stück weit in sein eigenes Leben zu begleiten.

Spätestens wenn die Pläne, einen Austauschschüler bei seiner Auswanderung auf Zeit zu unterstützen, konkret werden, stellt sich dann aber doch die Frage, ob es für die Gastfamilie nicht auch Nachteile gibt:   

Die Grundvoraussetzungen müssen erfüllt sein.

Entschließt sich eine Familie dazu, einem Austauschschüler ein zu Hause auf Zeit zu bieten, kann sie sich grundsätzlich auf die Unterstützung der Austauschorganisation verlassen. Diese organisiert nämlich nicht nur den Austausch als solches, sondern steht auch als Ansprechpartner für Gastfamilie und Gastkind zur Verfügung.

Im Zuge der Vorbereitung auf den Austausch werden zudem auch eventuelle Probleme und Schwierigkeiten angesprochen, wirklich konkret werden sie aber üblicherweise nicht benannt. Sollte es tatsächlich unüberwindbare Differenzen geben, beispielsweise weil Gasteltern und Gastkind überhaupt nicht miteinander zurechtkommen, sieht jede Organisation die Möglichkeit vor, in eine andere Gastfamilie umzuziehen.

Ein solcher Wechsel ist jedoch der letzte Ausweg und in den meisten Fällen sind es gar nicht unüberwindbare Differenzen, sondern vielmehr die alltäglichen Kleinigkeiten, die die Freude am Austausch trüben.Eine Grundvoraussetzung dafür, dass der Schüleraustausch ein Erfolg wird, ist, dass die gesamte Gastfamilie hinter dem Vorhaben steht. Natürlich sollte die Wohnung groß genug sein, damit die Mitglieder der Gastfamilie und der Austauschschüler die Möglichkeit haben, sich auch einmal zurückzuziehen. Selbstverständlich sollte das Gastkind nicht nur sein eigenes Bett, sondern auch seinen Platz am Küchentisch und auf der Couch bekommen. Und auch das liebe Geld, ein Thema, das die Austauschorganisationen gerne galant umgehen, spielt eine Rolle.

Schließlich hat die Gastfamilie zeitweise ein Kind mehr, das isst und trinkt, Wasser und Strom verbraucht, vielleicht mit seinen neuen Freunden ausgehen möchte, hin und wieder ein Auslandstelefonat führt und sich sicherlich genauso über ein Geburtstags- und Weihnachtsgeschenk freut wie seine Gastgeschwister. Aber entscheidend ist zunächst einmal, dass wirklich alle in der Gastfamilie bereit sind, sich auf das vorerst fremde, neue Familienmitglied einzulassen.

Hierzu gehört dann auch, offen und vorurteilsfrei auf das Gastkind zuzugehen, denn ungeachtet der Mentalität und der kulturellen Hintergründe ist der Austauschschüler allem voran ein Mensch mit einem eigenen Charakter, seinen besonderen Eigenheiten und seinen ganz individuellen Stärken und Schwächen. 

Die kleinen Alltagsproblemchen sind oft die größten Konfliktpunkte.

Viele Gastfamilien denken, dass die größten Schwierigkeiten durch die fehlenden Sprachekenntnisse und die fremde Kultur mitsamt der damit verbundenen Gewohnheiten entstehen. Natürlich kann es vor allem anfangs kleinere Verständigungsprobleme geben und sicherlich kann es etwas dauern, bis sich alle aneinander und an die neuen Abläufe gewöhnt haben.

Die Sprachbarrieren, die fremde Kultur oder die anderen Gewohnheiten auch im Hinblick auf beispielsweise das Essen verursachen aber in den seltensten Fällen die wirklichen Schwierigkeiten. Stattdessen sind es meist vielmehr die kleinen Alltagsproblemchen, die zu den großen Konfliktpunkten werden können. Hält sich der Austauschschüler beispielsweise nicht an Absprachen, kommt er ständig zu spät, verpasst er dauernd den Schulbus, hört er viel zu laut Musik, grüßt er die Nachbarn nicht, lässt er seine Sachen überall liegen oder blockiert er stundenlang das Bad, hat dies nicht unbedingt etwas mit einer fremden Kultur zu tun.

Genauso gut könnte dies auch das typische Verhalten des eigenen Kindes beschreiben, bei dem die Erziehungsversuche und Standpauken bislang noch nicht wie erhofft gefruchtet haben. Erschwerend kommt übrigens hinzu, dass Austauschschüler meist zwischen 15 und 17 Jahre alt sind, und damit mitten in der Pubertät stecken.     

Gastfamilie und Austauschschüler müssen klare Regeln vereinbaren.

Letztlich kann der Aufenthalt nur dann funktionieren, wenn es klare Regeln gibt. Genau damit tun sich viele Gasteltern jedoch schwer. In der Folge wird der Austauschschüler nicht wie ein Familienmitglied, sondern wie ein fremder Gast behandelt und statt die Konfliktpunkte anzusprechen, werden alle dazu angehalten, noch etwas mehr Rücksicht zu nehmen als ohnehin schon. Dies ist aber sicher nicht im Sinne der Idee, die hinter einem Schüleraustausch steht.

Natürlich sollten die Eltern ihrem Gastkind genügend Zeit einräumen, um sich einzugewöhnen. Danach können sie aber ruhigen Gewissens Regeln für das Zusammenleben vereinbaren, denn auch der Austauschschüler muss eine gewisse Bereitschaft mitbringen, sich anzupassen.

Eine sinnvolle Möglichkeit für die potenzielle Gastfamilie kann übrigens sein, mit einem kurzen Schüleraustausch zu beginnen. Die meisten Schulen haben Partnerschulen im Ausland und führen Austauschprogramme durch, die üblicherweise zwei bis vier Wochen lang dauern.

Ein solcher Kurzzeitaustausch kann eine ideale Probe sein und selbst falls es Konflikte geben sollte, lässt sich die kurze Zeit aushalten. Nach dem Probelauf kann die Familie vielleicht besser einschätzen, ob sie bereit ist, einen jungen Auswanderer auf Zeit bei sich aufzunehmen.

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