Was sind eigentlich die Swing States?

Was sind eigentlich die Swing States?

Wenn die USA einen neuen Präsidenten wählen, spielen die sogenannten Swing States seit jeher eine entscheidende Rolle. Sind sie die Orte, an denen der Wahlkampf überwiegend ausgetragen wird und zugleich diejenigen, die über den Ausgang der Wahl bestimmen können. Kein Wunder also, dass auch in den Medien regelmäßig über die Swing States berichtet wird.

Was sind eigentlich die Swing States

Doch was sind eigentlich die Swing States? Warum sind sie so bedeutsam? Und wie wird ein Bundesstaat zum Swing State?

Wir beantworten die wichtigsten Fragen!:

Was sind Swing States?

In den USA gibt es zwei große Parteien, nämlich die Demokraten und die Republikaner. Viele Bundesstaaten gelten als Hochburgen der jeweiligen Partei. In Anspielung auf die Parteifarben werden sie auch rote oder blaue Staaten genannt. Rot steht dabei für die Republikaner, Blau für die Demokraten.

Seit den 2000er Jahren dominieren die Republikaner die eher konservativen Bundesstaaten im Süden und mittleren Westen der USA. Die Demokraten hingegen werden traditionell in den liberaleren Staaten an der Westküste und im Nordosten gewählt. Weil es als sicher gilt, dass die sogenannten Safe States an ihre Partei gehen, sind sie für den Wahlkampf nicht unbedingt interessant.

Bei den Swing States ist das anders. Denn in den Swing States gibt es keine klare, feste Wahltradition. Stattdessen ist hier völlig offen, welche Partei das Rennen macht. Aus diesem Grund konzentriert sich der Wahlkampf auch auf eben diese Swing States.

Bei der Präsidentenwahl 2016 flossen zum Beispiel fast die gesamten Wahlkampfmittel in diese Bundesstaaten und weit über 90 Prozent aller Veranstaltungen fanden dort statt.

Bei der Wahl 2020 zählen Florida, Texas, Pennsylvania, Ohio, Michigan, Wisconsin und Minnesota zu den Swing States. Umfragen im Vorfeld zeigten, dass es außerdem in Georgia, North Carolina und Arizona ein knappes Ergebnis werden dürfte. Einige dieser Swing States stellen zwar nur wenige Wahlleute. Doch genau diese paar Stimmen können letztlich das Zünglein an der Waage sein.

Wie wird der Präsident der USA gewählt?

Um verstehen zu können, welche Rolle die Swing States bei der Wahl spielen, muss das Wahlsystem in den USA bekannt sein. In den USA wird der Präsident indirekt gewählt. Dabei stellt jede der beiden Parteien einen Kandidaten.

Bei der Wahl stimmen die US-Bürger zwar für einen Kandidaten. Sie bestimmen damit aber darüber, wie sich die Wahlmännerversammlung, das Electoral College, zusammensetzt. Jeder Bundesstaat entsendet nämlich eine bestimmte Anzahl an Wahlmännern und -frauen in diese Versammlung.

Die Anzahl der Wahlleute hängt davon ab, wie viele Menschen im jeweiligen Bundesstaat leben. Je größer die Bevölkerung ist, desto mehr Wahlleute gibt es. So entsendet Kalifornien zum Beispiel 55 Wahlleute, während Delaware nur drei Wahlleute stellt. Insgesamt kommen 538 Wahlmänner und -frauen zusammen, die dann im Dezember den Präsidenten und den Vize-Präsidenten wählen.

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Dem Kandidaten, der in einem Bundesstaat die Mehrheit der Wählerstimmen erhalten hat, werden alle Wahlleute dieses Staates zugesprochen. Gleichzeitig bleiben dadurch die Stimmen für den unterlegenen Kandidaten ohne Bedeutung. An diesem Punkt wird vom Winner-takes-all-Prinzip gesprochen.

Liegt ein Kandidat zum Beispiel in Texas vorne, versammelt er 38 Wahlmänner hinter sich. Dass der Kandidat möglicherweise nur einen hauchdünnen Vorsprung hatte, spielt keine Rolle. Er bekommt die Stimmen und der Gegenkandidat geht leer aus. Nur in Maine und Nebraska werden die Wahlleute etwas anders bestimmt.

Um die Wahl zu gewinnen, braucht ein Kandidat mindestens 270 Wahlleute. Dadurch hat er nämlich eine Mehrheit, die der Gegenkandidat durch die Stimmen der verbliebenen Wahlleute nicht mehr umdrehen kann.

Wie komplex dieses indirekte Wahlsystem ist, hat sich übrigens bei der Wahl 2016 gezeigt. Als Kandidatin der Demokraten hatte Hillary Clinton nicht nur in den Umfragen geführt, sondern auch mehr Wählerstimmen bekommen. Weil sich die Republikaner aber mehr Wahlleute sichern konnten, ging Donald Trump als Sieger hervor.

Warum gibt es in den Swing States keine klare Wahltradition?

Ins Deutsche übersetzt, bedeutet Swing State soviel wie Schaukelstaat. Diese Bezeichnung kann aber in die Irre führen. Denn in den Swing States leben keine Menschen, die ihre politische Haltung ständig wechseln.

Etwas klarer wird die Situation vielleicht durch andere Namen für die Staaten, die da toss-up-state (Münzwurfstaat), battleground state (Schlachtfeldstaat) oder purple state (lila Staat, als Anspielung auf die Mischfarbe aus den Parteifarben rot und blau) lauten.

In den Swing States haben beide Kandidaten eine Chance auf den Sieg. Der Wahlsieg steht also gewissermaßen auf der Kippe und erst am Ende zeigt sich, wer erfolgreicher war.

Dass die Swing States keine Hochburgen einer Partei sind und kaum Vorhersagen über das Wahlergebnis ermöglichen, liegt hauptsächlich an den demografischen Strukturen. Verglichen mit anderen Bundesstaaten, ist die Bevölkerung in den Swing States vielschichtiger und bunter durchmischt.

Deshalb hängt der Wahlausgang auch viel stärker davon ab, ob und wie gut ein Kandidat die Wähler mobilisieren kann.

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Gerd Fröhlich, 48 Jahre, Auslandskorrespondent, Gabi Naue-Rogers, 41 Jahre, Expat in Amerika und Tobi Meissner, 38 Jahre, Reiseblogger und Backpacker, sowie Christian Gülcan, Betreiber und Redakteur dieser Seite, schreiben hier Wissenwertes, Tipps, Anleitungen und Ratgeber zu den USA und der Greencard.

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