Tanken in den USA

Tanken in den USA

Das Tanken in den USA läuft etwas anders ab als hierzulande. Das fängt schon damit an, dass die Spritsorten, die Oktanzahlen und die Mengeneinheiten anders sind. Den größten Unterschied macht aber das Bezahlen.

Im ersten Moment scheint es etwas ungewöhnlich, einem so alltäglichen Vorgang wie dem Tanken einen ganzen Beitrag zu widmen. Doch so abwegig ist das gar nicht. Denn USA-Reisende und Auswanderer werden sich an die Abläufe an US-amerikanischen Tankstellen erst einmal gewöhnen müssen.

So kompliziert, wie sich viele das Tanken in den USA vorstellen und wie es in manchen Reiseführern beschrieben wird, ist es aber auch wieder nicht. Das Tanken als solches funktioniert in den USA nämlich nach dem gleichen Prinzip wie hierzulande. Doch die Unterschiede liegen im Detail.

 

Die Benzinsorten in den USA

Wer tanken muss, fährt zunächst zu einer gas station. Denn Benzin heißt in den USA gas. An der Tankstelle stehen dann drei verschiedene Benzinsorten zur Auswahl:

  • Regulär (oder Normal) mit 87 Oktan,
  • Plus (oder Mid Grade) mit 89 Oktan und
  • Premium (oder Supreme) mit 92 Oktan.

Die drei Benzinssorten entsprechen annähernd den hierzulande üblichen Varianten Normal, Super und Super Plus. Dabei ist das Benzin in den USA in aller Regel unleaded, was bleifrei bedeutet. Verbleites Benzin (leaded) ist nur noch sehr selten anzutreffen. Neben Benzin führen die Tankstellen auch Diesel, der in den USA ebenfalls Diesel heißt. An der Tanksäule ist Diesel meist grün gekennzeichnet, manchmal sind die Dieselsäulen auch etwas abseits bei den Tanksäulen für Trucks positioniert. Dieselfahrzeuge sind in den USA aber nicht sehr weit verbreitet, die überwiegende Mehrheit aller Pkws läuft mit Benzin.

Etwas verwirrend ist die geringere Oktanzahl. Sie erklärt sich damit, dass in den USA nicht der ROZ Wert wie in Europa, sondern der AON Wert angegeben wird. Der AON Wert, der oft mit RON bezeichnet wird, berechnet sich etwas anders. Deshalb ist die Oktanzahl in AON niedriger, die Qualität ist aber gleich.

Welchen Sprit ein Auto benötigt, steht in aller Regel auf der Innenseite des Tankdeckels und in der Bedienungsanleitung. Wer einen Mietwagen fährt, kann natürlich auch den Verleiher fragen. Die meisten Mietwagen brauchen aber Regular, größere Fahrzeuge wie SUVs und Vans laufen mit Plus.

 

Die Mengeneinheiten in den USA

Wie hierzulande weisen auch in den USA große Anzeigetafeln die Spritpreise aus. Dabei beziehen sich die Preise aber immer auf eine Gallone. Und eine Gallone entspricht exakt 3,785 Litern. Wenn der Spritpreis mit knapp 4 US-Dollar angezeigt wird, so kosten also 3,785 Liter Benzin die knapp 4 Dollar.

Übrigens: Der Spritverbrauch wird in den USA nicht mit Litern pro 100 Kilometer oder mit Gallonen pro 100 Meilen angegeben. Stattdessen wird der Verbrauch in Meilen pro Gallone ermittelt. Es wird also ausgerechnet, wie viele Meilen das Auto mit einer Gallone Sprit zurücklegt. Folglich ist das Auto umso sparsamer im Verbrauch, je höher die Anzahl der Meilen ist.

In den Tank eines Durchschnittsautos passen etwa 15 Gallonen. Das genaue Tankvolumen steht aber in den Fahrzeugunterlagen. Den Spritverbrauch sollte der Autofahrer deshalb im Auge haben, weil er immer rechtzeitig tanken sollte. Vor allem in ländlichen Gegenden gibt es oft nicht sehr viele Tankstellen und meistens haben diese auch nur tagsüber geöffnet.

Hinzu kommt, dass der Sprit in Ballungsräumen kostengünstiger ist als in abgelegenen Gebieten oder typischen Touristenhochburgen. Und: Wer in den USA liegen bleibt, weil sein Tank leer ist, wird zwar vom Pannendienst abgeschleppt. Die Abschleppkosten sind aber recht happig und obendrauf droht noch eine Strafe.

 

Das Tanken in den USA

Anders als früher ist bei den meisten US-amerikanischen Tankstellen inzwischen Selbstbedienung angesagt. Dadurch ist der Tankvorgang als solches in den USA nicht großartig anders als hierzulande: Der Autofahrer fährt an die Tankstelle und steuert eine freie Zapfsäule an, die den benötigten Kraftstoff bereithält. Nun kommt aber der entscheidende Unterschied. Denn in den USA wird zuerst bezahlt und erst danach getankt.

Dabei gibt es für die Bezahlung zwei Möglichkeiten:

 

  1. Barzahlung

Möchte der Autofahrer bar bezahlen, geht er zunächst zur Kasse. Dort nennt er die Nummer der Zapfsäule und sagt dem Kassierer, für wie viel er tanken will. Der Einfachheit halber kann der Autofahrer einen runden Betrag nehmen, beispielsweise 50 US-Dollar. Das Geld hinterlegt der Autofahrer beim Kassierer, der die Zapfsäule daraufhin bis zum hinterlegten Geldbetrag freischaltet. Ist das Geld aufgebraucht, der Tank aber noch immer nicht voll, kann der Autofahrer erneut zum Kassierer gehen, weiteres Geld hinterlegen und dazutanken. Hat er hingegen das hinterlegte Geld nicht ganz aufgebraucht, lässt er sich die Differenz vom Kassierer zurückzahlen.

Übrigens: Früher war es nicht üblich, die Tankrechnung bar zu bezahlen. Inzwischen ist das anders. So gibt es sogar Tankstellen, die die Barzahlung bevorzugen und mit einem kleinen Preisnachlass belohnen.

 

  1. Kartenzahlung

Die meisten Zapfsäulen sind mit einem Display und einem Schlitz ausgestattet, der das Bezahlen mittels Karte ermöglicht. Dafür steckt der Autofahrer seine Karte in den vorgesehenen Schlitz und folgt den Anweisungen auf dem Display. Teilweise kann der Autofahrer dabei auswählen, ob er mit einer Kreditkarte (Credit) oder mit seiner EC-Karte (Debit) bezahlen möchte.

Nachdem die Karte erkannt wurde, kann der Autofahrer je nach Software entweder direkt tanken oder er muss zunächst den Betrag eingeben, für den er tanken möchte. Wie bei der Barzahlung wird die Differenz aber selbstverständlich gutgeschrieben, wenn der Autofahrer für weniger Geld getankt hat als er ursprünglich eingegeben hatte.

Problemfall ZIP:

Um den Missbrauch von Kreditkarten einzudämmen, wird an Zapfsäulen mitunter die Postleitzahl (ZIP) abgefragt. Bei europäischen Kreditkarten ist aber meist keine Postleitzahl gespeichert. Die Folge davon ist, dass die Kreditkarte für die Bezahlung abgelehnt wird. Der Autofahrer kann in diesem Fall auf seine EC-Karte zurückgreifen.

Um sie zu nutzen, muss er nur die übliche Pin eingeben. Allerdings fallen bei der Nutzung der EC-Karte höhere Gebühren an. Die andere Möglichkeit ist, den Kassierer anzusprechen. Das Tankstellenpersonal ist mit der Problematik vertraut und kann die Zapfsäule manuell freischalten, wenn der Autofahrer den gewünschten Tankbetrag vorab in bar oder als Kartenzahlung leistet.

 

Der Tankvorgang selbst

Ist die Bezahlung geklärt, nimmt der Autofahrer den Zapfhahn (nozzle) aus der Halterung, steckt ihn in den Einfüllstutzen des Tanks und drückt die Zapfpistole zusammen. Im Prinzip also alles genauso wie hierzulande. Nun kann es aber sein, dass das Benzin einfach nicht läuft.

In diesem Fall gibt es an der Zapfsäule neben der Halterung der Zapfpistole einen Knopf oder einen Hebel (lever), der gedrückt, umgelegt oder angehoben werden muss, damit der Tankvorgang gestartet wird. Danach kann der Autofahrer wie gewohnt tanken, bis sein hinterlegter Betrag aufgebraucht oder die gewünschte Spritmenge im Tank ist.

 

Der Full Service

Bei einer Tankstelle, die Full Service bietet, tankt der Autofahrer nicht selbst. Stattdessen gibt es hier einen Tankwart, der sich um das Tanken kümmert und oft auch gleich den Wasser- und Ölstand überprüft und die Scheiben reinigt. An solchen Tankstellen ist der Kraftstoff etwas teurer. Allerdings ist der Service durch den Spritpreis bereits abgedeckt. Ein Trinkgeld für den Tankwart ist nicht üblich.

Tankstellen mit Full Service wird der Autofahrer in erster Linie in Huntington, New Jersey und Oregon antreffen. Dies liegt aber weniger an der besonders kundenfreundlichen und dienstleistungsorientierten Ausrichtung. Der Grund ist vielmehr, dass es in diesen Bundesstaaten Autofahrern per Gesetz verboten ist, ihre Autos selbst zu tanken.

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