Die lange Geschichte zwischen Grönland und den USA

Die lange Geschichte zwischen Grönland und den USA

Mit seiner Idee, Grönland zu einem Teil der USA zu machen, hat US-Präsident Trump für reichlich Aufsehen gesorgt. Doch neu sind seine Überlegungen nicht. Schon früher hatten die USA beabsichtigt, die Insel zu kaufen oder zu annektieren. Aber warum ist das so? Wieso ist Grönland für die USA so attraktiv?

Die lange Geschichte zwischen Grönland und den USA

Im Dezember 2024 schrieb US-Präsident Donald Trump auf der Plattform Truth Social: „Im Interesse der nationalen Sicherheit und der Freiheit in der Welt halten die Vereinigten Staaten von Amerika den Besitz und die Kontrolle über Grönland für absolut notwendig.“

Doch das war nicht die einzige Äußerung dieser Art. Der US-Präsident wiederholte mehrfach, dass Grönland für die USA wichtig wäre und er die arktische Insel bekommen werde. Selbst ein militärisches Vorgehen schloss er dabei nicht aus.

Grönland reagierte deutlich auf solche Aussagen. In einer schriftlichen Stellungnahme erklärte der damalige grönländische Premierminister Múte Egede unmissverständlich, dass Grönland weder käuflich ist noch es jemals sein wird.

Als weitere Reaktion zog Grönland die Parlamentswahlen, die eigentlich für April 2025 geplant waren, auf den 11. März vor. Gewinner der Wahl war die Oppositionspartei Demokraatit, neuer Premierminister wurde Jens-Frederik Nielsen.

Die demokratische Partei strebt die Unabhängigkeit an, und das sowohl von Dänemark als auch von den USA.

Bereits in seiner ersten Amtszeit hatte Trump laut über den Kauf Grönlands nachgedacht. Und schon damals hatte die grönländische Regierung abgewehrt. Aber dass die US-amerikanische Regierung die Insel haben will, ist nichts Neues.

Werfen wir einen Blick auf die lange Geschichte zwischen Grönland und den USA!:

Dänemarks Hoffnungsinsel

Der Legende nach soll die erste Siedlung auf Grönland im Jahr 985 entstanden sein. Der Gründer war angeblich Erik der Rote, ein Wikinger, der aus Norwegen stammte, aber in Island lebte. Allerdings brach der Kontakt zu den Siedlern ab.

Heute ist bekannt, dass die Wikinger ihre Siedlungen auf Grönland wenige hundert Jahre später wegen einer Kälteperiode aufgegeben hatten.

Im 18. Jahrhundert ging man aber noch davon aus, dass man auf Grönland Nachfahren der Wikinger finden würde, die zudem in Reichtum leben sollten. Deshalb machte sich im Jahr 1721 der Missionar und Pastor Hans Egede aus dem Königreich Dänemark-Norwegen auf die Suche nach den Siedlern.

Als Egede auf der Insel, die er Haabets Ø, auf Deutsch: Hoffnungsinsel, nannte, angekommen war, traf er aber nicht auf Wikinger, sondern auf die Inuit. Sie waren im 12. Jahrhundert nach Grönland gekommen und stellen auch heute noch den größten Teil der Bevölkerung.

In der Folgezeit wurde das arktische Gebiet kolonialisiert. Nach dem Ende des Dänisch-Norwegischen Königreichs wurde Grönland dann im Jahr 1814 dänische Kolonie.

Strategischer Handel und Militärpräsenz

Einen ersten Handel mit Territorien zwischen Dänemark und den USA gab es im Jahr 1917. Damals kauften die USA das in der Karibik gelegene Dänisch-Westindien, die heutigen US Virgin Islands, von Dänemark ab. Im Ersten Weltkrieg entstand auf den Inseln ein Stützpunkt der US-Marine.

Im Jahr 1941 stationierten die USA Truppen auf Grönland, um eine Invasion durch die Deutschen zu verhindern. Weil zu diesem Zeitpunkt das Deutsche Reich Dänemark schon besetzt hatte, konnten die Dänen Grönland nicht mehr versorgen.

Deshalb stellten sie die arktische Insel unter den Schutz der USA. Nachdem die USA in den Zweiten Weltkrieg eingetreten waren, richteten die US-Truppen zwei Luftwaffenstützpunkte auf Grönland ein.

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Doch nach Kriegsende blieb das US-Militär auf Grönland. Der damalige Präsident Harry Truman bot Dänemark an, die Insel für 100 Millionen US-Dollar in Gold zu kaufen. Als Begründung nannte er das große militärstrategische und geopolitische Interesse.

Zugleich verwies Truman darauf, dass Grönland für Dänemark sowieso nur eine finanzielle Belastung sei. Doch die dänische Regierung lehnte das Kaufangebot ab. Im Rahmen der NATO-Verteidigungsstrategie während des Kalten Krieges willigte Dänemark aber kurze Zeit später in eine dauerhafte Präsenz des US-Militärs auf Grönland ein.

Als der Kalte Krieg vorbei war, verloren die USA das Interesse an Grönland zunächst wieder. Die US-Militärstützpunkte wurden geschlossen. Nur die Militärbasis Pituffik Space Base im Nordwesten der Insel blieb und besteht bis heute.

Auf diesem Stützpunkt gibt es unter anderem ein Warnsystem vor ballistischen Raketen. Um die USA gegen Angriffe zu verteidigen, hat die Basis deshalb nach wie vor eine wichtige strategische Bedeutung.

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Die Autonomie Grönlands

Im Jahr 1953 änderte Dänemark den Status Grönlands. Aus der Kolonie wurde eine dänische Provinz und die Grönländer bekamen die dänische Staatsbürgerschaft. Ende der 1970er-Jahre erfolgte ein erster Schritt in Richtung Autonomie, 2009 bekam Grönland die sogenannte Selvstyre.

Diese Selbstverwaltung machte die Grönländer erstmals zu einem unabhängigen Volk und sprach ihnen das Recht zu, künftig selbst über die Unabhängigkeit von Dänemark abzustimmen.

Deshalb ist Grönland innenpolitisch schon weitestgehend autonom. Was die Außenpolitik und die Wirtschaft angeht, gehört Grönland aber nach wie vor zum Königreich Dänemark.

Folglich gelten zum Beispiel Handelsabkommen, die Dänemark schließt, oder die dänische Mitgliedschaft in der NATO auch für Grönland.

Trumps Interesse an der arktischen Insel

Bleibt noch die Frage, warum US-Präsident Trump Grönland unbedingt haben will. Ein Grund ist die Lage. Grönland liegt zwischen Europa und Nordamerika sowie nah am Arktischen Ozean und dem Nordatlantik. Geopolitisch ist Grönland für die USA deshalb bedeutsam.

Aus militärischer Sicht liegt Grönland auf der Flugroute, die russische Raketen bei einem Angriff auf die USA nehmen würden. Und nachdem die Spannungen zwischen Russland und der NATO zunehmen, ist die US-Militärbasis Pituffik Space Base wieder wichtiger geworden.

Dazu kommt noch ein anderer Aspekt. Weil durch den Klimawandel das Eis schmilzt, könnten in der Nordwestpassage nördlich von Kanada und in der Nordostpassage nördlich von Sibirien neue arktische Schifffahrtsrouten entstehen.

Zu diesen Routen bilden Grönland und die umgebenden Meeresgebiete gewissermaßen die Einfahrt. Würden die USA Grönland übernehmen, hätten sie eine größere Kontrolle über die Seewege.

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Zumal hier nicht nur Handelsschiffe, sondern auch russische Kriegsschiffe und Atom-U-Boote unterwegs sein könnten.

Aber auch die Rohstoffvorkommen Grönlands spielen sicherlich eine Rolle. Es wird vermutet, dass unter dem Gletschereis der Insel reichlich Öl, Gas, Gold, Uran, Zink und seltene Erden vorhanden sind.

Bisher dominiert China den Handel mit vielen dieser Rohstoffe. Schmilzt die Eisschicht, hätten die USA leichteren Zugang zu den Ressourcen. Aus Umweltgründen blockiert die grönländische Regierung bisher aber den Rohstoffabbau.

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Gerd Fröhlich, - Auslandskorrespondent, Gabi Naue-Rogers, - Expat in Amerika (USA) und Tobi Meissner, - Reiseblogger und Backpacker, sowie Christian Gülcan, Betreiber und Redakteur dieser Webseite, schreiben hier Wissenswertes, Tipps, Anleitungen und Ratgeber zu den USA und der Greencard.

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