8 große Unterschiede zwischen Deutschland und den USA, Teil I

8 große Unterschiede zwischen Deutschland und den USA, Teil I

Die Geschichte der USA beginnt als spanische, britische, französische und niederländische Kolonie. Im weiteren Verlauf zog es dann Einwanderer aus Italien, Deutschland, Irland und vielen anderen Ländern der Welt hierher. Die USA sind deshalb schon seit jeher das, was als klassisches Einwanderungsland bezeichnet wird. Und natürlich haben die Einwanderer auch die Kultur des Landes geprägt. Viele Gepflogenheiten haben europäische Wurzeln.

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8 große Unterschiede zwischen Deutschland und den USA, Teil I

Wer sich dazu entschließt, längere Zeit in den USA zu leben oder komplett dorthin auszuwandern, muss deshalb sicherlich keinen so großen Kulturschock befürchten, wie es vermutlich bei einer Auswanderung nach Asien oder Afrika der Fall wäre.

Trotzdem gibt es Besonderheiten, die weit über Thanksgiving, Halloween, die Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag oder große Autos auf breiten Straßen hinausgehen.

In einer Beitragsreihe nennen wir acht große Unterschiede zwischen Deutschland und den USA, die ein Auswanderer auf dem Schirm haben sollte:

  1. Bundes- und Landesgesetze

Die politische Struktur der USA ähnelt dem Aufbau Deutschlands. Beides sind Staaten, die sich als Gesamtkonstrukt aus einzelnen Ländern zusammensetzen. Was in Deutschland die Bundesländer sind, sind in den USA die Bundesstaaten, die sogenannten States.

Das Prinzip des Föderalismus bringt es mit sich, dass die Bundesländer oder Bundesstaaten gewisse Freiheiten gegenüber dem Gesamtstaat haben, eigenständig gestalten und selbst Entscheidung treffen können.

Allerdings war es das auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Denn während in Deutschland die Unterschiede zwischen den Bundesländern eher in Details liegen und die Landesverordnungen hauptsächlich spezielle Themen wie zum Beispiel die Bezeichnung von Schulabschlüssen oder die Anforderungen an Beamte regeln, sind die Dimensionen in den USA wesentlich größer.

Der zehnte Zusatzartikel zur US-Verfassung sichert den Bundesstaaten eine große Autonomie gegenüber der Regierung in Washington und die Unabhängigkeit von den anderen Bundesstaaten zu.

Das mag nach schnöder Politiktheorie klingen. Doch wer in den USA unterwegs ist, wird sehr schnell bemerken, wie sehr der Alltag von den Unterschieden zwischen den State Laws (den staatlichen Gesetzen) und den Federal Laws (den Gesetzen der einzelnen Bundesstaaten) geprägt ist.

Ein gutes Beispiel ist die Mehrwertsteuer. Eine einheitliche Mehrwertsteuer gibt es in den USA nämlich nicht. Stattdessen erheben einige Bundesstaaten gar keine VAT (Value Added Tax), in anderen Bundesstaaten wie beispielsweise Kalifornien liegt sie bei 7,25 Prozent und in wieder anderen Bundesstaaten ist sie noch höher.

Wer online einkauft und die Ware bei einem Verkäufer aus einem anderen Bundesstaat erwirbt, muss prinzipiell keine VAT bezahlen.

Ein anderes Beispiel ist Alkohol. Während in einigen Bundesstaaten Alkohol in der Öffentlichkeit absolut tabu ist und alkoholische Getränke in den berühmten braunen Papiertüten versteckt sein müssen, ist der Alkoholkonsum in anderen Staaten lockerer geregelt.

Auch die Tempolimits sind verschieden. Selbst auf Highways, die quer durch die ganze USA verlaufen, hängt es vom Bundesstaat ab, wie schnell gefahren werden darf.

Die Liste mit unterschiedlichen Regelungen in diversen Bereichen des alltäglichen Lebens ließe sich noch lange fortsetzen. Für den Auswanderer bleibt jedenfalls die wichtige Erkenntnis, dass eine Regelung, die in einem Bundesstaat gilt, in einem anderen Bundesstaat komplett anders aussehen kann.

  1. Kredithistorie

Dass in den USA so gut wie alles mit der Kreditkarte bezahlt wird, dürften die meisten wissen. Allerdings ist vielen nicht klar, dass sich das System, wie in den USA Kredite vergeben werden, ganz anders gestaltet als in Deutschland. Und für einen Auswanderer kann das US-System zur echten Herausforderung werden.

Hierzulande basiert die Kreditvergabe auf einem geradlinigen Verfahren. Verfügt der Antragsteller über eine ausreichend gute Bonität und hat er keine negativen Einträge bei der Schufa, wird er in aller Regel einen Kredit bekommen und dabei oft auch noch aus verschiedenen Angeboten wählen können.

Ob er vorher schon einmal einen Kredit hatte, den er ordnungsgemäß zurückgezahlt hat, spielt keine Rolle. Entscheidend ist, dass der Antragsteller anhand seiner Einkommensnachweise belegen kann, dass er über die finanziellen Mittel verfügt, um die Kreditraten pünktlich zu bezahlen.

In den USA sieht die Sache anders aus. Nachweise über die wirtschaftlichen Verhältnisse bringen den Auswanderer letztlich nicht weiter. Denn damit er in den USA einen Kredit bekommt, braucht er eine positive Kredithistorie. Sie ist im Prinzip das Pendant zur deutschen Schufa-Auskunft und belegt, dass Kredite immer pünktlich und ordnungsgemäß bedient wurden.

Das Problem ist nur, dass sich die Kredithistorie erst aufbaut, wenn der Auswanderer schon Kredite aufgenommen oder zumindest eine Kreditkarte hat. Doch auch die Kreditkarte setzt eine positive Kredithistorie voraus. Ein echter Teufelskreis also, denn ohne Kredit gibt es keine Kredithistorie und ohne Kredithistorie keinen Kredit.

Für US-Amerikaner ist dieses System unproblematisch, weil sie seit ihrer Jugend darin eingebunden sind und zum Teil von der Kreditgeschichte ihrer Eltern profitieren.

Der Auswanderer hingegen kann darüber stolpern. Zumal die Kredithistorie nicht nur bei Krediten, sondern auch bei Mietverträgen, Versicherungen, Mobilfunkverträgen und an vielen anderen Stellen zum Tragen kommt.

Um die Sache zu lösen, ist der Auswanderer deshalb gut beraten, wenn er gleich zu Beginn ein normales Bankkonto eröffnet und darauf achtet, dass dort immer ein gewisses Guthaben vorhanden ist. Nach ein paar Monaten kann er dann eine sogenannte Secured Credit Card beantragen.

Bei dieser Kreditkarte entspricht der Kreditrahmen der Deckung auf dem Bankkonto. Schöpft der Auswanderer die Kreditkarte nicht ständig aus und bezahlt er seine Rechnungen immer absolut pünktlich, entsteht nach und nach seine Kredithistorie.

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Gerd Fröhlich, 48 Jahre, Auslandskorrespondent, Gabi Naue-Rogers, 41 Jahre, Expat in Amerika und Tobi Meissner, 38 Jahre, Reiseblogger und Backpacker, sowie Christian Gülcan, Betreiber und Redakteur dieser Seite, schreiben hier Wissenwertes, Tipps, Anleitungen und Ratgeber zu den USA und der Greencard.

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