5 Fakten über die US-amerikanische Trinkgeldkultur

5 Fakten über die US-amerikanische Trinkgeldkultur

Wer die USA bereist, wundert sich mitunter über den Umgang mit Trinkgeld. Denn vom Kellner über den Taxifahrer und dem Hotelpagen bis hin zum Friseur scheint jeder mit einem Trinkgeld bedacht zu werden. Doch woher weiß der Reisende, wem er wann wie viel Trinkgeld zustecken sollte? Und wieso ist das Trinkgeld in den USA überhaupt so ein großes Thema?

5 Fakten über die US-amerikanische Trinkgeldkultur

Hier sind fünf Fakten über die US-amerikanische Trinkgeldkultur!:

Ein kurzer Ausflug in die Geschichte

Um 1900 herum wurde das Trinkgeld in den USA zum Standard. Der Legende nach soll die Oberschicht die Gepflogenheit aus Europa mitgebracht haben. In Europa gehörte das Trinkgeld zur Kultur und nach ihren Reisen wollten die Wohlhabenden kultivierter und gebildeter wirken als ihre Altersgenossen aus den unteren Schichten.

Gut möglich, dass die Sache mit dem Trinkgeld dann etwas übertrieben wurde. Jedenfalls wurden die Amerikaner von den Europäern dafür kritisiert, dass sie beim Trinkgeld zu großzügig waren. Diese Kritik gibt es zum Teil bis heute. Trotzdem sind die Amerikaner beim Trinkgeld spendabler und das hat auch durchaus seinen Grund.

In den 1960er-Jahren führte der US-Kongress den sogenannten Tipping Credit ein. Er ermöglicht Arbeitgebern, ihren Mitarbeitern weniger als den gesetzlichen Mindestlohn zu bezahlen, wenn diese Trinkgelder bekommen.

Nun ist aber schon der Mindestlohn nicht gerade üppig. Verdienen Arbeitnehmer noch weniger, sind sie auf Trinkgelder angewiesen, um über die Runden zu kommen.

Diese Regelung gilt vor allem in der Gastronomie und im Dienstleistungssektor. Andererseits gibt es etliche Branchen, in denen Trinkgelder zwar zum guten Ton gehören, für die Beschäftigen aber nicht überlebenswichtig sind.

Hier haben die Trinkgelder eher den Status von einem willkommenen Bonus. Trotzdem sollte der Reisende wissen, was üblich ist und sich daran halten.

  1. 20 Prozent sind Standard

Als allgemeine Faustregel gilt, dass in Restaurants 15 bis 20 Prozent der Rechnungssumme als normales, angemessenes Trinkgeld angesehen werden. Doch die Wahrheit ist, dass ein Trinkgeld unter 20 Prozent als Kritik aufgefasst wird. Bekommt ein Kellner weniger, wird er sich fragen, was er falsch gemacht hat.

Diese aus europäischer Sicht recht hohe Quote hat nichts damit zu tun, dass Kellner für ihre Leistungen in den Himmel gehoben werden wollen. Letztlich machen sie nur ihren Job. Doch wenn sie ihre Arbeit gut machen, sollte der Gast das würdigen.

In der Gastronomie zu arbeiten, ist hart. Kellner sind stundenlang auf den Beinen, tragen warme, schwere Teller durch die Gegend und müssen sich unzählige Bestellungen merken.

Außerdem sind sie diejenigen, die es ausbaden müssen, wenn ein Gast zu lange warten muss oder mit seinem Essen nicht zufrieden ist. Und trotz aller Anstrengung ist ein freundliches Dauerlächeln Pflicht.

Dabei ist die Arbeit im Normalfall sehr schlecht bezahlt. Trotz Vollzeit-Job würde das reguläre Arbeitseinkommen meist noch nicht einmal für die Miete reichen. Kellner oder Barkeeper sind deshalb auf die Trinkgelder angewiesen.

Das ist auch der Grund, warum der Gast spendabel sein sollte. Zumal Kellner und Barkeeper das Geld nicht komplett für sich behalten können, sondern die Trinkgelder als Einnahmen versteuern müssen.

  1. Mit Rückfragen rechnen

Amerikaner sind alles andere als schüchtern. Auch wenn es zum Teil oberflächlich bleibt, sind sie sehr freundlich, höflich und kontaktfreudig. Sie kommen mit jedem ins Gespräch und machen offen Komplimente, wenn ihnen etwas gefällt.

Ist der Gast mit dem bestellten Essen nicht zufrieden, sollte er dem Kellner direkt Bescheid sagen. Gleiches gilt, wenn der Service zu wünschen übrig lässt. Der Kellner wird sich in aller Regel darum bemühen, dem Gast entgegenzukommen.

Möglicherweise wird das Essen nicht berechnet, es gibt einen Nachtisch aufs Haus oder es erfolgt zumindest eine aufrichtige Entschuldigung.

Tatsächlich stößt es auf Unverständnis, wenn der Gast seine Unzufriedenheit dadurch zum Ausdruck bringt, dass er nur wenig oder gar kein Trinkgeld gibt. Denn so hatte der Kellner keine Chance, die Sache in Ordnung zu bringen.

Aus europäischer Sicht ungewohnt ist auch, dass der Gast damit rechnen sollte, dass er auf ein niedriges Trinkgeld angesprochen wird. Dabei geht es aber nicht um Vorwürfe. Der Kellner wird sich vielmehr erkundigen, was die Gründe für das schmale Trinkgeld sind. Besser ist deshalb, wenn der Gast Probleme offen anspricht, bevor er die Rechnung bezahlt.

  1. Unterschiedliche Trinkgelder je nach Branche

Ist der Reisende in der Stadt unterwegs, wird er vermutlich auch einmal ein Taxi nehmen. Die meisten Taxis in den USA sind mit einer digitalen Anzeige ausgestattet, über die der Reisende nach der Fahrt den Betrag auswählen kann, den er als Trinkgeld geben möchte. Der niedrigste Betrag liegt üblicherweise bei 15 Prozent. Bei einer Taxifahrt reicht das auch aus.

Trägt ein Hotelpage die Koffer ins Zimmer, bringt den Roomservice oder öffnet die Autotür, ist ein Trinkgeld von zwei bis drei Dollar angebracht. Dabei ist es am besten, dem Pagen das Geld einfach mit einem kurzen Dankeschön in die Hand zu drücken.

Bei anderen Dienstleistern wie zum Beispiel Friseuren gilt ein Trinkgeld von 20 Prozent als angemessen. War der Service besonders gut, dürfen es auch 25 Prozent sein. Andersherum sollte der Reisende besser nicht auf die Idee kommen, gar kein Trinkgeld zu geben. Denn möglicherweise bekommt er dann im Gegenzug beim nächsten Mal keinen Termin mehr.

Im Kosmetikstudio, Massagesalon oder Spa sind die üblichen 15 bis 20 Prozent angemessen. Bevor der Reisende den Geldbeutel zückt, sollte er aber einen Blick auf die Rechnung werfen.

In den USA setzt sich nämlich zunehmend der Trend durch, automatisch ein Trinkgeld hinzuzufügen. Enthält der Rechnungsbetrag bereits ein Trinkgeld, muss der Reisende natürlich nichts mehr extra dazulegen.

  1. Trinkgeld in bar

Der Reisende sollte immer ein paar Dollarscheine bei sich haben. Auch wenn in den USA so ziemlich alles mit Kreditkarte bezahlt wird, freuen sich die Angestellten, wenn sie das Trinkgeld in bar bekommen.

Der Grund ist ganz einfach der, dass sie das Geld auf diese Weise direkt in der Tasche haben und nach der Schicht mit nach Hause nehmen können. Bei einer Kreditkartenzahlung landet das Geld erst beim Manager, der es dann mit einer paar Tagen Verzögerung auszahlt.

  1. Kein Trinkgeld

Nachdem in den USA eigentlich immer und überall Trinkgeld gegeben wird, stellt sich die Frage, ob es nicht doch einen Ort gibt, an dem kein Trinkgeld üblich ist. Tatsächlich gibt es so einen Ort.

Ist der Reisende in einem Fastfood-Laden oder einem Shop, in dem er sein Essen am Tresen bestellt und selbst zum Platz bringt oder mitnimmt, muss er kein Trinkgeld geben. Doch selbst dort steht meistens irgendwo eine Trinkgeld-Box.

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Gerd Fröhlich, 48 Jahre, Auslandskorrespondent, Gabi Naue-Rogers, 41 Jahre, Expat in Amerika und Tobi Meissner, 38 Jahre, Reiseblogger und Backpacker, sowie Christian Gülcan, Betreiber und Redakteur dieser Seite, schreiben hier Wissenwertes, Tipps, Anleitungen und Ratgeber zu den USA und der Greencard.

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